[ANALYSE] Spitzenspiel, leider spitzenlos
Eine nüchterne Analyse über ein Spiel, welches den Namen zwar verdiente, aber auf den Präfix ‘Spitzen’ verzichten hätte können
Ein Vorurteil, welches bestätigt wurde
Ein Spitzenspiel war angedacht, ein solches sollten sich Gastgeber Red
Bull Salzburg mit den gastierenden Rapidlern ausmachen. Der Klasse
wurde zwar teilweise ein Riegel vorgeschoben, aber auf taktischen und
kämpferischen Niveau konnten die teilnehmenden Teams allemal
überzeugen. Die erste Halbzeit war über weite Strecken der Taktik
untergeordnet. Zickler, ersetzte den verletzten Marc Janko, fand
immerhin eine Torgelegenheit vor – nach passabler Ballmitnahme traf
seine Geschoss jedoch nur das Außennetz. Rapid war im ersten Durchgang
kaum präsent, weder konnte sie den verhassten Meister wirklich in
Bedrängnis treiben, noch war ihnen das Glück eines Elfers gewährt. Dem
Halbzeitanalytiker des ORF, Manfred Zsak, blieb verborgen, dass
Schweglers Fuß vor einem angeblichen Foulspiel den Ball berührt hat,
der gesamten Medienlandschaft entging die Tatsache, dass dem
elferwürdigen Foul von Afolabi an Jelavic ein nicht geahndeter
Regelverstoß an Pokrivac im Mittelfeld vorrausgegangen war.
Benachteiligung für Grün-Weiß lag also keine in der Luft, gefüllt wurde
sie aber natürlich schon. Bereits vor dem Spiel hatten die Salzburger
auf einen genau gegenteiligen Umstand hingewiesen, den Zusehern kostete
es ein Schmunzeln dem Linienrichter in der 87. Minute einen Pfiff.

Torminator und Mann für Goldtore konnten nicht ersetzt werden
Ohne
Glanz, ohne Elfmeter und ohne Tor verstrichen die Minuten des ersten
Durchgangs, als Fußball ging das Gezeigte zwar allemal durch, aber der
Wunsch nach Besserung wollte bei den 23.600 Zusehern nicht verklingen.
Ein Gentleman wie Stevens einer ist, gewährte dem ‘12ten Mann’ – “Vor
dem ziehe ich heute meinen Hut!” – ein deutlich prickelnderes Spiel.
Erst findet Alex Zickler aus rund 10 Metern unter tiefster Bedrängung
eine Topchance vor, dann findet sich Jelavic auf einmal allein vor
Gustafsson wieder. Ein Schlänzer des am Nacken geschwächten Kroaten
verfällte sein Ziel allerdings um Längen. Der gastgebende
Tabellenzweite war nun die klar bessere Mannschaft, erarbeite sich eine
klare Dominanz und fand auch Chancen vor. Der Mann für wichtige Tore,
Fränkie Schiemer, fehlte ebenso, wie der Mann für Alles, Marc Janko und
so konnten die Salzburger Bullen die vielzähligen
Einschussmöglichkeiten nicht in zählbares ummünzen. Es offenbarte sich
die schmerzlich wahrgenommene Tatsache, dass der Salzburger Kader noch
nicht so ausgewogen ist, wie er gerne empfunden wird. Auf der
Gegenseite hatte Steffen Hofmann einen schweren Stand. Der Rapid
Regisseur machte gegen den überraschend statt Schiemer aufgebotenen
Barry Opdam kaum einen Stich, einen Freistoß konnte er erst gar nicht
versuchen zu versenken, da die cleveren Hausherren Standards aus
gefährlichen Positionen geschickt umgingen.
Es durfte nicht sollen sein
Die Siezenheimer waren wie gesagt dominant, die Rapidler in die Enge
getrieben und zum Zusehen verdonnert. Selbes Schicksal blühte auch
Helge Payer nur wenige Minuten vor dem Ende. Der starke Nikola Pokrivac
umkurvt einen Rapidler, schiebt für den von Dober vernachlässigten
Svento durch – Dieser schießt und trifft. Doch der Linienrichter
verwährte dem Treffer die Gültigkeit, ein Abseits wäre der Grund für
sein Entscheidung. Und obwohl sich Thomas König sicher war, dass
Sventos Brust das Beinchen des Rapid-Verteidigers überragte, war die
Entscheidung des Unparteiischen falsch. Die von der Süd inszinierte
Grafik wurde einem ins Gedächtnis gerufen und mit Blick auf das Match
der Hütteldorfer gegen Sturm Graz wollte der Gedanke auch nicht so
schnell verschwinden. Stevens war nach dem Spiel jedenfalls sauer auf
den Assistenten, Pacult übte sich in Beschwichtigung, meinte die
Schiedsrichter würden doch auch nur ihren Job machen. Doch wer den
Rapid-Coach kennt, der weiß wie das so ist mit dem Fähnchen und dem
Wind – es dreht sich wie es sich will, hätte Rapid die Benachteiligung
erfahren, wäre die Reaktion vermutlich anders ausgefallen. Der
Salzburg-Trainer hingegen war auch am Tag darauf nicht wirklich happy,
zeigte allerdings Stil und Verständnis für den Unparteiischen -> http://www.laola1.tv/de/at/fussball/oest-bundesliga/stevens-ich-habe-keine-probleme-mit-den-leistungen-der-schiedsrichter/video/17-534-12896.html
Nächster Gegner für die Salzburger ist in jedem Fall Lazio, ein Punkt würde für den Gruppensieg genügen. Beim HSV fehlt beinahe die gesamte Startformation, Rapid habe aber trotzdem den schwereren Gegner, meinte der SKY-Kommentator. Wer am Donnerstag rot-weiß-rote Geschichte schreibt, können die Herren an den Pfeiferln und Mikrophonen jedoch ohnehin nicht beeinflussen.
Artikel stammt vom: 30. November 2009 – 19:30 Uhr
Aufstellung RB Salzburg:
4-1-4-1-System: Gustafsson – Schwegler, Afolabi, Sekagya, Ulmer – Opdam – Tchoyi, Leitgeb, Pokrivac, Svento – Zickler
Aufstellung Rapid Wien:
4-2-3-1-System: Payer – Kulovits, Soma, Jovanovic, Katzer – Heikkinen, Pehlivan – Trimmel, Hofmann, Kavlak – Jelavic
Die besten Bullen:
-) Sekagya: Hinten fehlerfrei, gute Spieleröffnung
-) Leitgeb: Anfangs wirkte er nervös, fand jedoch zu gewohnter Stärke zurück
-) Pokrivac: Gestern das Um und Auf der Salzburger, beinahe jeder Angriff lief über ihn
-) Svento: Erzielte das einzige Tor des Abends und war auch ansonsten auffällig
Die besten Rapidler:
-) Payer: Hielt den Grün-Weißen die Null fest
-) Trimmel: Sorgte für Schwung und bereitete Ulmer Kopfzerbrechen
-) Kavlak: War Trimmels Pendant auf der Gegenseite
-) Jelavic: Gefahrenherd, trotz Nackenproblemen auffälligster Rapidler

